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بسم الله الرحمن الرحيم

Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen

Der Gründer von Hizb-ut-Tahrir: der Gelehrte Taqī ad-Dīn an-Nabhānī (Möge Allah (t) seiner Seele barmherzig sein)

Al Shaykh Taqi 008

Taqī ad-Dīn bin Ibrahīm bin Ismāʿīl bin Yūsuf an-Nabhānī stammt vom Stamm Banū Nabhān ab. Geboren wurde er in einem Dorf namens Iǧzim in Haifa, das im nördlichen Palästina liegt. Scheich Nabhānī wurde im Jahr 1332 n. H., d.h. im Jahr 1914 n. Chr. geboren. Seine Familie war bekannt für ihr Wissen und ihre Gottesfurcht, und auch dafür, dass sie den Islam praktizierte. Sein Vater, Scheich Ibrahīm, war Rechtsgelehrter und im Bereich ʿUlūm aš-Šarʿīya für das Palästinensische Bildungsministerium tätig. Seine Mutter war ebenfalls eine Koryphäe auf diesem Gebiet. Ihr Wissen erhielt sie von ihrem Vater, Scheich Yūsuf an-Nabhānī.

In verschiedenen Berichten wird sein Großvater mütterlicherseits, Scheich Yūsuf an-Nabhānī, wie folgt beschrieben: Yūsuf bin Ismāʿīl bin Yūsuf bin Ḥasan bin Muḥammad an-Nabhānī aš-Šāfīʿī wurde mit Spitznamen „Abū al-Maḥāsin“ genannt. Er war Schriftsteller, Dichter und Ṣūfī. Er galt als einer der besten Richter seiner Zeit. Er arbeitete in Dschenin im Landkreis Nablus als Richter. Danach zog er nach Istanbul. In Mossul war er ebenfalls als Richter tätig. Später wurde er zum Leiter des Strafgerichtshofs in Latakia und dann in Jerusalem ernannt.  Schließlich übernahm er die Leitung des Gerichtshofs von Beirut. Er schrieb insgesamt achtundvierzig Bücher.

Die islamische Persönlichkeit Scheich Nabhānīs ist zu einem großen Teil auf seinen familiären Hintergrund zurückzuführen. Deshalb lernte er bereits im Alter von 13 Jahren den gesamten Koran auswendig. Das Wissen und der Scharfsinn seines Großvaters mütterlicherseits begeisterten ihn merklich, sodass er diesem Quell des Wissens so viel wie nur möglich entnahm.  Schon in jungen Jahren reifte in ihm ein politisches Bewusstsein heran, insbesondere durch jene politischen Bewegungen, die sein Großvater zur Unterstützung des osmanischen Kalifats gründete. Scheich Nabhānī profitierte sehr von den Rechtsdiskussionen, die von seinem Großvater Scheich Yūsuf an-Nabhānī organisiert wurden. Während dieser Diskussionsrunden erregte Nabhānī die Aufmerksamkeit seines Großvaters, sodass dieser seinen Sohn, den Vater von Scheich Taqī ad-Dīn an-Nabhānī, davon überzeugte, Scheich Nabhānī zum Studium im Bereich ʿUlūm aš-Šarʿīya an die Al-Azhar-Universität zu schicken.

Sein Bildungsweg

Scheich Nabhānī wurde im Jahr 1928 in die achte Klasse der Al-Azhar-Universität aufgenommen. Noch im selben Jahr bestand er seine Abschlussprüfung mit Auszeichnung. Ihm wurde das Zertifikat „Šahādat al-Ġurba“ verliehen. Danach wurde er an der Dār al-ʿUlūm aufgenommen, die damals noch zur Al-Azhar-Universität gehörte. Er besuchte weiterhin regelmäßig die Seminare jener Gelehrter an der Al-Azhar-Universität, zu denen ihn sein Großvater schickte. So z.B. die Seminare von Scheich Muḥammad al-Khiḍr Ḥussein, möge Allah sich seiner erbarmen. Die frühere Studienordnung der Al-Azhar-Universität erlaubte die Teilnahme an solchen Kreisen. Scheich Nabhānī stach als Student immer heraus, sogar, als er am Dār al-ʿUlūm studierte und zeitgleich an den zuvor erwähnten Seminaren teilnahm. Wegen seines tiefgründigen Denkens, seiner stets starken Ansichten und der überzeugenden Argumente, die er in Diskussionen in Kairo und anderen islamischen Städten demonstrierte, zog er die Aufmerksamkeit seiner Kommilitonen und Lehrer auf sich.

Der Scheich erlangte die folgenden Abschlüsse: Die Mittelstufenreife der Al-Azhar-Universität, Šahādat al-Ġurba der Al-Azhar-Universität, einen Abschluss im Fach Arabische Sprache und Literaturwissenschaften der Kairoer Dār al-ʿUlūm, das Richterdiplom der Al-Maʿhad al-ʿĀlā – ein Institut des Scharia-Gerichts, das mit der Al-Azhar-Universität zusammenarbeitet, sowie den Abschluss Šahādat al-ʿĀlamīya im Jahr 1932 n. Chr., der einem Magisterabschluss gleichkommt.

Ämter, die der Scheich innehatte

Der Scheich arbeitete bis zum Jahr 1938 n. Chr. in der Scharia-Abteilung des palästinensischen Bildungsministeriums. Anschließend wurde er befördert und an den Scharia-Gerichtshof versetzt, sowie als Anwalt am Zentralgericht von Haifa eingestellt. Danach wurde er in den Rang eines Assistenzrichters befördert. Bis 1948 n. Chr. war Scheich Nabhānī als Richter am Gericht von Ramallah tätig. Nach der Besetzung Palästinas durch die Juden wanderte Nabhānī nach Syrien aus. Allerdings kehrte er im gleichen Jahr nach Palästina zurück und wurde dort zum Richter am Scharia-Gericht in Jerusalem ernannt. Danach arbeitete er bis zum Jahr 1950 n. Chr. als Scharia-Richter am Obersten Gerichtshof. Schließlich trat er von seinem Richteramt zurück und wurde Lehrer an der Hochschule für Islamwissenschaften in Amman, wo er bis 1952 lehrte. Taqī ad-Dīn an-Nabhānī – möge Allah sich seiner erbarmen – war ein Quell des Wissens und beherrschte alle Wissenszweige meisterhaft. Er war außerdem ein uneingeschränkter Rechtsausleger (muǧtahid mutlaq) und ein äußerst argumentativer Redner.

Folgende Bücher verfasste Scheich Taqī ad-Dīn an-Nabhānī:

I.     Die Lebensordnung des Islam
II.    Die parteiliche Blockbildung
III.   Konzeptionen von Hizb-ut-Tahrir
IV.   Das Wirtschaftssystem im Islam
V.    Das Beziehungssystem der Geschlechter im Islam
VI.   Das Regierungssystem im Islam
VII.  Die Verfassung (des Kalifatsstaates)
VIII. Präambel zur Verfassung oder die verpflichtenden Gründe dafür
IX.    Der islamische Staat
X.     Die islamische Persönlichkeit (in drei Teilen)
XI.    Politische Konzeptionen von Hizb-ut-Tahrir
XII.   Politische Einblicke
XIII.  Ein inständiger Apell
XIV.  Das Kalifat
XV.   Das Denken
XVI.  Die schnelle Auffassungsgabe
XVII. Der Aufbruchspunkt
XVIII. Der Eintritt in die Gesellschaft
XIX.   Ägyptens Bewaffnung
XX.    Das bilaterale Abkommen zwischen Ägypten und Syrien auf der einen und dem Jemen auf der anderen Seite
XXI.   Die Lösung der Palästinafrage nach amerikanischem und englischem Modell
XXII.  Die Theorie des politischen Vakuums rund um das Eisenhower-Projekt

Darüber hinaus verfasste er noch tausende Publikationen zu intellektuellen, politischen und wirtschaftlichen Themen.

Als die Veröffentlichung seiner Bücher und Artikel verboten wurde, veröffentlichte Scheich Nabhānī einige Bücher unter dem Namen anderer Parteimitglieder, um sie publizieren zu können, darunter bspw. die folgenden:

I.     Die optimale Wirtschaftspolitik
II.    Die Widerlegung des marxistischen Sozialismus
III.   Die Zerstörung des Kalifats
IV.   Die Gesetzmäßigkeiten der Beweisführungen
V.    Das Strafsystem im Islam
VI.   Rechtsbestimmungen des Gebets

Bevor Scheich Nabhānī die Partei gründete, schrieb er zwei Bücher: Die Rettung Palästinas und Die Mission der Araber.

Seine charakterlichen Eigenschaften

Zu der Zeit als Scheich Taqī ad-Dīn seine Tätigkeit als Lehrer an der Hochschule für Islamwissenschaften aufnahm, war Zuhair Kaḥāla dort ebenfalls als Lehrer tätig. Dieser erzählt: „Der Scheich war ein intelligenter, vornehmer und reinherziger Mann. Er hatte eine aufrichtige, würdevolle und sehr beeindruckende Persönlichkeit. Die Existenz des zionistischen Gebildes im Herzen der muslimischen Umma machte ihn sehr traurig und auch wütend.“

Er war ein mittelgroßer, stämmiger, äußerst engagierter und sehr tatkräftiger Mann, der darüber hinaus äußerst wortgewandt war. Er verstand es, seine Worte in einer Debatte geschickt zu wählen. Seine Argumente präsentierte er stets mit Bedacht. Bei dem, was er für die Wahrheit hielt, machte er niemals Kompromisse. Sein Bart war mittellang und leicht ergraut. Seine Persönlichkeit spiegelte Ehrfurcht wider; Gespräche mit ihm beeinflussten andere. Seine Argumente führten häufig zur Sprachlosigkeit anderer. Ziellose Streitgespräche, persönliche Angriffe und jedes Abweichen von den Interessen der Umma lehnte er zutiefst ab. Er verachtete die Tatsache, dass sich Menschen in ihrem persönlichen Leben verlieren. Er war immer um das Wohlergehen der islamischen Umma besorgt. Scheich Taqī ad-Dīn an-Nabhānī war der Inbegriff der folgenden Worte des Propheten (s):

«من لم يهتم بأمر المسلمين فليس منهم»

„Wer sich um die Belange der Muslime nicht kümmert, der gehört nicht zu ihnen.”

Für gewöhnlich wiederholte er diesen ḥadīṯ immer und immer wieder. Häufig verwendete er ihn als Beleg. Er zeigte sich traurig darüber, dass sich Imam al-Ġazzālī, der Autor des Buches Iḥyāʾ ʿUlūm al-Dīn, während der Zeit der Angriffe der Kreuzritter mit dem Schreiben von Büchern beschäftigte.

Die Gründung von Hizb-ut-Tahrir und deren Anfänge

Scheich Nabhānī begann sich eingehend mit den Parteien, Bewegungen und Organisationen zu befassen, die seit dem 4. Jahrhundert n. H. entstanden sind. Er befasste sich mit deren Umgangsstilen, deren Ideen, den Gründen dafür, dass sie sich ausbreiteten und den Gründen ihres Scheiterns. Der Scheich erachtete die Existenz einer Partei als notwendige Voraussetzung für die Wiedererrichtung des Kalifats. Aus diesem Grund befasste er sich intensiv mit den verschiedenen Parteien. Seit der Zerstörung des Kalifats durch den Verbrecher Mustafa Kemal waren die Muslime nicht imstande das Kalifat wieder zu errichten, trotz der großen Anzahl an islamischen Bewegungen. Die Besatzung Palästinas durch „Israel” im Jahr 1948 und die Hilflosigkeit der Araber in Anbetracht des zionistischen Gebildes, welches von den von Großbritannien unterstützten Regierungen Jordaniens, Ägyptens und des Irak unterstützt wurde, ließ die Emotionen in Scheich Taqī ad-Dīn hochkochen. So begann er sich mit den Ursachen zu befassen, die zum Erwachen der Muslime führen sollten. Zunächst beschränkte sich Scheich Taqī ad-Dīn auf das Erwachen der islamischen Umma und schrieb zwei Bücher: Die Rettung Palästinas und Die Mission der Araber. Beide Bücher wurden im Jahr 1950 veröffentlicht. In erster Linie handeln die beiden Bücher von Überlegungen, die Scheich Nabhānī anstellte, der islamischen Überzeugungsgrundlage (ʿaqīda) und der wahren Bedeutung des arabischen Wortes „Umma“, d.h. jener Bedeutung, die der Islam diesem Wort zuwies. Der Islam sieht nämlich vor, dass die Araber einen Aufstieg einzig und allein auf Grundlage des Islam anstreben. Die Vorstellung der arabischen Nationalisten wich stark von den Vorstellungen Nabhānīs ab. Tatsächlich führten die Vorstellungen der arabischen Nationalisten in eine gänzlich andere Richtung. Mit der Botschaft des Islam hatten diese Vorstellungen nichts gemein. Außerdem griffen die arabischen Nationalisten auf verschiedene westliche Konzepte zurück, die der Überzeugungsgrundlage und den Werten des Islam diametral widersprachen. Der Scheich befasste sich mit jenen Konzepten, von denen die arabischen Nationalisten angetrieben wurden. Er befasste sich eingehend mit allen Lösungsvorschlägen, die man ihm präsentierte. Jedoch war er mit keinem einzigen Vorschlag zufrieden.

Doch bevor er eine Entscheidung traf, suchte er den Kontakt zu allen ihm bekannten Gelehrten, sowie zu jenen Gelehrten, die er in Ägypten traf. Ihnen allen präsentierte er dieselbe Idee: Die Gründung einer politischen Partei, mit dem Ziel, die islamische Umma wiederzuerwecken und ihren ruhmreichen Status wiederherzustellen. Zu diesem Zweck reiste er durch ganz Palästina. Er präsentierte seine Vorstellung allen berühmten Gelehrten und Intellektuellen, da sein Verstand und sein Herz von diesem Gedanken wie gefesselt waren. Er veranstaltete Seminare und lud Gelehrte aus ganz Palästina ein. Er debattierte mit ihnen über die richtige Methode, die schließlich zum Erwachen der Umma führen sollte. Sein Ziel war es, den Anwesenden zu vermitteln, dass sie auf dem falschen Weg sind, und dass ihre Bemühungen niemals Früchte tragen werden. Die Anwesenden waren häufig Würdenträger verschiedener islamischer, politischer und nationalistischer Parteien. Des Weiteren führte Scheich Nabhānī bei verschiedenen Gelegenheiten ausführliche Gespräche in den Moscheen in Al-Aqsa, Hebron und anderen Gebieten. Diese widmeten sich unterschiedlichen politischen Fragen. Solche und ähnliche Runden nutzte er beispielsweise, um die Realität der Arabischen Liga aufzuzeigen und klarzustellen, dass sie ein Produkt des westlichen Kolonialismus und nur eines von vielen Instrumenten des Westens ist, mit dessen Hilfe dieser die islamischen Länder zu kontrollieren versucht.  Der Scheich deckte die politischen Verschwörungen und die anti-islamischen Pläne des Westens auf. Sein Ziel war es, das Verantwortungsgefühl der Muslime wiederaufleben zu lassen. Daher forderte er sie dazu auf, eine rein auf dem Islam basierende Partei zu gründen.

Scheich Taqī ad-Dīn kandidierte bei der Wahl des Repräsentantenhauses, d.h. für einen beratenden Ausschuss. Doch führten seine strengen Ansichten, seine politische Tätigkeit und sein Bemühen, eine auf dem Islam basierende Partei zu gründen, dazu, dass die Regierung ein Wahlergebnis zu Ungunsten Nabhānīs herbeiführte.

Jedoch hielten solche Rückschläge den Scheich niemals von seiner politischen Tätigkeit ab, noch konnten sie seine Entschlossenheit schwächen. Vielmehr setzte er seine Aktivitäten fort. Er traf sich weiterhin mit Kontakten und führte Debatten. Es gelang ihm schließlich einige namhafte Gelehrte, Richter und politische Denker für die Gründung einer politischen Partei zu gewinnen. Er präsentierte ihnen jenen Rahmen und jene Grundideen, die später zum kulturellen Erbe von Hizb-ut-Tahrir werden sollten. Einige dieser Gelehrten und Denker nahmen seine Vorstellungen an und stimmten ihm zu. So kam es schließlich zur Gründung von Hizb-ut-Tahrir.

Die gesegnete Stadt Al-Quds war der Ort, an dem das Fundament für die Partei gelegt wurde; jene Stadt, in der Scheich Nabhānī einst für den Obersten Gerichtshof als Richter tätig war. Nabhānī kontaktierte viele einflussreiche Persönlichkeiten, wie unter anderem Aḥmad Dāʿūr aus Qalqīliya, As-Saiyadān Nimr aus Ägypten, Dāwūd Ḥamdān aus Ramallah, Scheich ʿAbd al-Qadīm Zallūm aus Hebron, ʿĀdil Al-Nabulsī, Ġānim ʿAbdu, Munīr Šaqīr und Scheich Asʿad Bīwiḍ at-Tamīmī.

Die Treffen waren zunächst sehr unorganisiert und fanden nur bei Bedarf statt. Meistens trafen sie sich in Al-Quds oder Hebron und besprachen wie sie neue Leute einladen könnten, der Partei beizutreten. Im Zentrum der Diskussionen standen stets islamische Themen, die für die Wiederherstellung der Würde der islamischen Umma unabdingbar waren. Diese Entwicklung setzte sich bis ins Jahr 1952 fort, als die genannten Personen schließlich eine politische Partei gründeten.

Am 17. November 1952 beantragten die fünf Gründungsmitglieder der Partei eine formelle Unbedenklichkeitsbescheinigung beim jordanischen Innenministerium, um eine politische Partei offiziell gründen zu dürfen.

Die fünf Gründungsmitglieder der Partei waren die Folgenden:

Taqī ad-Dīn an-Nabhānī, Vorsitzender der Partei
Dāwūd Ḥamdān, Stellvertretender Vorsitzender der Partei und Sekretär
Ġānim ʿAbdu, Schatzmeister
ʿĀdil Al-Nabulsī, Mitglied
Munīr Šaqīr, Mitglied

Im Anschluss kam die Partei allen rechtlichen Formalitäten nach, die das osmanische Gesetz für die Gründung von Parteien vorschrieb. Hizb-ut-Tahrir hatte seinen Sitz in Jerusalem und alle von der Partei unternommen Schritte waren nach osmanischem Recht in Ordnung.

Die Zeitschrift Aṣ-Ṣarīḥ veröffentlichte in ihrer 176. Ausgabe, datiert auf den 14. März 1953, die Satzung der Partei, welche die Partei bei der Regierung einreichte. Von diesem Tag an – dem 28. Ǧumādā aṯ-ṯāniya 1372 n. H. - war Hizb-ut-Tahrir laut Gesetz eine anerkannte Partei. Von daher durfte die Partei von diesem Tag an alle Parteiaktivitäten unternehmen, die dem damaligen osmanischen Gesetz entsprachen.

Jedoch lud die Regierung alle fünf Gründungsmitglied vor, verhörte sie und verhaftete vier von ihnen. Am 07. Raǧab 1372 n. H., dem 23. März 1953 n. Chr., veröffentlichte die Regierung eine Stellungnahme mit Hinweis darauf, dass die Partei mit Veröffentlichung der Stellungnahme verboten wurde. Außerdem enthielt die Stellungnahme die Anordnung, dass die Gründungsmitglieder der Partei sämtliche Aktivitäten mit sofortiger Wirkung einzustellen haben. Am 01. April 1953 wurden sämtliche Plakate, die das Büro der Partei in Jerusalem zierten, auf Anordnung der Regierung entfernt.

Scheich Nabhānī räumte diesem Verbot keinerlei Bedeutung ein und setzte seine Tätigkeit fort. Er verbreitete weiterhin jene Botschaft, die ihn zur Gründung der Partei bewegte. Dāwūd Ḥamdān und As-Saiyadān Nimr verließen die Parteiführung im Jahr 1956. Ersetzt wurden sie durch Scheich ʿAbd al-Qadīm Zallūm und Scheich Aḥmad Dāʿūr. Von diesem Moment an bildeten diese außergewöhnlichen Gelehrten die Führung der Partei. Damit kamen sie ihrer Verantwortung gegenüber dieser gesegneten Botschaft nach.

Die Partei begann mit der kollektiven Kultivierung der Menschen in den Ballungsgebieten nahe der Al-Aqsa-Moschee, mit dem Ziel, die islamische Lebensweise wiederaufleben zu lassen. Die erstaunlichen Aktivitäten der Partei brachte die damalige Regierung dazu, auf billige Taktiken zurückzugreifen. Dadurch hätte verhindert werden können, dass die Partei zu einer starken Organisation heranwächst. Scheich Taqī ad-Dīn entschloss sich in Folge dieser Umstände das Gebiet Ende 1953 zu verlassen. Später wurde ihm die Rückkehr zwei Mal verwehrt.

Im November 1953 reiste er nach Syrien. Dort angekommen wurde er von der syrischen Regierung verhaftet und in den Libanon ins Exil geschickt. Gleichzeitig untersagte ihm die libanesische Regierung die Einreise. Als er den zuständigen Beamten der Polizeistation in Wādī al-Ḥarīr darum bat, einen Freund anrufen zu dürfen, erlaubte der Beamte ihm dies. Scheich Nabhānī rief seinen Freund Scheich Ḥasan al-ʿAlāyā an, den damaligen Mufti des Libanon. Diesem erklärte er seine Situation. Scheich Al-ʿAlāyā drohte den libanesischen Beamten, dass er, wenn sie Scheich Taqī ad-Dīn an-Nabhānī nicht einreisen ließen, verbreiten würde, dass die sogenannte „demokratische Regierung des Libanon“ einem großartigen Gelehrten nicht gestatte, ihr Land zu betreten. Die libanesischen Behörden gaben nach und erlaubten dem Scheich daraufhin die Einreise.

Nach seiner Ankunft im Libanon gab sich Scheich Nabhānī vollständig der Verbreitung seiner Ideen hin. Bis 1958 sah er sich mit keinen nennenswerten Hindernissen konfrontiert. Als die libanesische Regierung allerdings merkte, wie gefährlich seine Ideen für die Regierung waren, begann sie den Scheich unter Druck zu setzen. Aus diesem Grund zog der Scheich von Beirut nach Tripolis um. Einer seiner Vertrauten sagte über ihn: „Der Scheich war die meiste Zeit über mit Lesen und Schreiben beschäftigt. Er pflegte ständig die Nachrichten aus aller Welt über das Radio zu verfolgen. Seine politischen Stellungnahmen waren hervorragend. Er war wie sein Name suggerierte: gottesfürchtig (arab. taqī). Er behielt seine Zunge stets unter Kontrolle und seinen Blick immer gesenkt. Man hörte ihn nie jemanden beleidigen oder erniedrigen, insbesondere nicht jene Prediger, die eine andere Rechtsauffassung teilten, d.h. seinem iǧtihād nicht folgten.“

Was den Irak anlangte, so richtete der Scheich seinen Fokus dort auf die Forderung nach dem materiellen Beistand (nuṣra). Vor diesem Hintergrund reisten er und Scheich ʿAbd al-Qadīm Zallūm (Abū Yūsuf) viele Male in den Irak. Scheich ʿAbd al-Qadīm Zallūm war wegen einiger wichtiger Kontakte oft im Irak, z.B. wegen ʿAbd as-Salām ʿĀrif. Auf seiner letzten Reise in den Irak wurde Scheich Nabhānī verhaftet und schwerer psychischer und physischer Folter ausgesetzt. Jedoch gelang es demjenigen, der ihn vernahm, nicht, die gewünschte Information vom Scheich zu erhalten. Nabhānī wiederholte immer und immer wieder dieselben Worte: „Ein Scheich der nach Behandlung sucht.“ Er gab dem Beamten zu verstehen, dass er ein alter Mann sei, der in den Irak gekommen war um sich behandeln zu lassen. Und in der Tat war der Scheich wegen einer Behandlung im Irak: sein Ziel war es, die kränkelnde Umma durch die Wiedererrichtung des Kalifats von ihrem Leiden zu befreien. Als die irakischen Behörden merkten, dass sie von ihm keine Informationen bekommen würden, brachen sie ihm aus purer Verzweiflung den Arm und schoben ihn ab. Der Scheich war von der schweren Folter blutüberströmt. Kurz nach seiner Abschiebung informierte der jordanische Geheimdienst den irakischen Geheimdienst darüber, dass der Gefangene, den sie gerade freiließen, Scheich Taqī ad-Dīn an-Nabhānī war, also jener Mann, den der irakische Geheimdienst suchte. Alles Lob gebührt Allah dem Erhabenen, Der nicht zuließ, dass die Zeit auf Seiten der Geheimdienste war. Als sie diese Information erhielten war der Scheich bereits nicht mehr greifbar für sie.

Taqī ad-Dīn an-Nabhānī war absolut unerschütterlich und bemühte sich unentwegt darum, das Fundament der Partei zu festigen. Kurz bevor er sein Ziel erreichen und die Wiedererrichtung des Kalifats miterleben konnte, kehrte er zu seinem Herrn zurück.

Am Samstagmorgen, dem 01. Muḥarram 1398 n. H. – dem 11. Dezember 1977 n. Chr. verstarb Scheich Taqī ad-Dīn an-Nabhānī. Er war fürwahr ein großartiger Führer, ein Quell des Wissens und zweifellos der größte Rechtsgelehrte der Neuzeit. Er war es, der das Denken wiederaufleben ließ (muǧadid al-fikr). Scheich Nabhānī war der größte Intellektuelle des 20. Jahrhunderts, ein wahrhaftiger Rechtsausleger (muǧtahid) und ein außerordentlicher Gelehrter. Zudem war er Gründer und amīr von Hizb-ut-Tahrir. Seine Beisetzung fand auf dem Al-Auzāʿī-Friedhof in Beirut statt. Der Scheich konnte die Früchte seiner Bemühungen, denen er sein Leben widmete, nie sehen. Leider konnte er die Wiedererrichtung des Kalifats nie miterleben. Er übertrug seinem Gefährten, Scheich ʿAbd al-Qadīm Zallūm, die Verantwortung seiner Nachfolge und kehrte zu seinem Schöpfer zurück. Zwar wurde er nie Zeuge über die Wiedererrichtung des Kalifats, doch trugen seine Bemühungen letztlich Früchte. Die Partei breitete sich in vielen Teilen der Welt aus und mehrere Millionen Menschen aus allen Teilen der Welt nahmen die Ideen der Partei für sich an. Diejenigen, die mit dem Scheich direkt im Kontakt standen, verschlug es in alle Winkel der Welt. Noch heute sind die Verliese der Unterdrücker mit Menschen gefüllt, die jene Gedanken in sich tragen, die der Scheich damals verbreitete.

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